Das Leben des Bischofs Hermann

Bischof Hermann

[1148 Ende oder 1149 Anfang] – 1167 August 11 (+)

Der genaue Beginn des Pontifikats Bf. Hermanns ist nicht bekannt. Ein sicherer Terminus post quem ist 1148 September 23, da an diesem Tag sein Vorgänger, Bf. Thietmar II., starb. Ein weiterer sicherer Terminus Post quem ist 1148 Oktober 18, da Bf. Hermann an diesem Tag noch in zwei Urkunden als Kustos des Halberstädter Domstifts genannt wird (UB Hochstift Halberstadt 1, nr. 222 u. 222a), demnach also noch nicht zum Verdener Bf. gewählt war. Weiterhin ist aufgrund der Angabe der Pontifikatsjahre in der Urkunde für Kloster Diesdorf von 1161 (unten nr. 136) anzunehmen, dass die Wahl Hermanns zum Verdener Bf. nicht vor 1148 Dezember 10 stattfand (vgl. Wurst, Bischof Hermann, S.19 – 21). Einen sehr viel späteren Termin der Wahl zum Bf. wird man aber auch nicht ansetzen dürfen, da ,,die Sedisvakanz bei Bischöfen in der Regel nur wenige Wochen dauerte” (ebd., S.20, Anm. 7). – Da Bf. Hermanns Bruder Hugold (vgl. unten nr. 120) als nobilis bzw. comes bezeichnet wird (Wurst, Bischof Hermann, S.4), ist eine edelfreie Herkunft Bf. Hermanns als sicher anzusehen. Die insbesondere von Wurst (ebd., S. 4f) nachdrücklich postulierte Verwandtschaft zwischen Bf.. Hermann und der erst seit dem 13. Jh. belegten Ministerialenfamilie (von) Behr ist ,,bloße Spekulation” (Hasse, Hofämter S. 75, Anm. 605).


aus: “Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden”, S. 143, bearbeitet von Arend Mindermann; Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden; Stade 2001.

Bereits fünf Jahre nach seiner Wahl zum Bischof begab sich Hermann auf seine erste verbriefte Reise nach Italien.
Danach reiste er anscheinend längere Zeit durch Deutschland. Erwähnung finden die Städte Fulda und Lüneburg, im Jahr 1157-58. Im Mai selben Jahres ist Hermann wieder in Verden und schlichtet einen Streit zwischen dem Probst und den Kanonikern des Stifts Bardowick.
Doch bereits im Juni zieht es den Bischof wieder gen Süden. Er reist durch Augsburg wo er in zwei politischen Streitfällen vermittelt.

1158 Juni, Augsburg

Kaiser Friedrich I. (Fridericus) versichert dem Ebf. Hartwig (I.) von Hamburg (-Bremen) seine Gunst und vermittelt in zwei Streitfällen, nämlich erstens im Streit zwischen dem genannten Ebf. und dem Herzog (Heinrich dem Löwen) von Sachsen und Bayern, in dem der Herzog auf eine Entscheidung des kaiserlichen Hofgerichts verwiesen wird, sowie zweitens im Streit zwischen dem genannten Ebf. und dem Bf. (Hermann) von Verden, den Kaiser Friedrich I. gemäß der Privilegien beider Seiten sowie unter Beiziehung eines Rates von Fürsten und anderen weisen Männern zu entscheiden verspricht. Ferner verspricht Kaiser Friedrich dem Bremer Ebf. weitere Hilfe: er werde ihm bei der Wiedererlangung seiner vom Magdeburger Ebf. widerrechtlich entfremdeten Erbschaft unterstützen, auch soll der Bremer Ebf. künftig auf Wunsch von der Teilnahme an Heerfahrten und Dienstleistungen für das Reich befreit werden. Er verspricht ferner, den Bremer Ebf. gegenüber dem Papst zu unterstützen, dem Walter von Arnstadt dessen erzbischöflich-bremischen Lehen zuzugestehen und dem Ebf. künftig 20 Fuder Wein, davon zehn aus Boppard und zehn aus Mainz, zukommen zu lassen. Auch will Kaiser Friedrich dafür sorgen, dass Bovo, dem er Zeit seines Lebens den kaiserlichen Schutz gewähren wird, künftig auch wieder die Gunst des Herzogs erlangen wird.

Or. Perg: (StA Hann., +Brem. Or. 371943 verbrannt; aufgedr. Siegel zuvor gut erh.; Foto: StA Stade, Rep.1 (Domstift Bremen), nr.37) (A).Abschrift: (StA Hann.,+Cop. II 41; auf 1159 (MCLIX) datiert; um 1300; 1943 verbrannt) (B). – LB Hann., .MS XXIII 1050, fol. 48r/v (18. Jh. datiert 1159 (MCLIX); wohl nach B) (C).(ebda. S.:157)

Weitere Station seiner Reise ist Porto (im Gebiet von Ferrara).
Seine nächste Erwähnung findet sich erst ein Jahr später, nämlich im Februar 1160 beim Konzil in Pavia. Es ist also wahrscheinlich, das er zwischendurch noch einmal in Verden “vorbeigeschaut” hat.
An dem großen Konzil nahm auch der Kaiser Friedrich I. teil.

1160 Februar Mitte, Pavia

Patriarch Peregrinus von Aquileja, die Ebf. Arnold von Mainz, Reinold von Köln, Wichmann von Magdeburg und Hartwig I. von Bremen sowie alle auf dem Konzil in Pavia versammelten Bf.e, Äbte und Ordensgeistlichen verkünden die Verhandlungen und Beschlüsse dieses Konzils.
Unter anderem wird in dieser Enzyklika dargelegt, dass dem Konzil eine Versammlung von 22 Bf.n und Äbten vorangegangen war, in der Kaiser Friedrich I. Vorschläge zur Beseitigung des (durch die Doppelwahl Alexanders III. und Viktors IV.) entstandenen Schismas machte. Als Abgesandte dieser Versammlung sind Bf. Hermann von Verden, Bf. Daniel von Prag, Pfalzgraf Otto (von Wittelsbach) und der Magister und Propst Herbert zum Kanzler Roland (Papst Alexander III) (nach Anagni) gereist und haben, wie sie vor dem Konzil bezeugt haben, den Kanzler Roland (d. i. Papst Alexander III.) dreimal, peremptorisch und in förmlicher Weise vor das Konzil geladen.
Papst Viktor IV. war am 10. Februar vom Konzil und vom Kaiser bestätigt worden. Am 11. Februar wurde Viktor IV. in der Kathedrale von Pavia feierlich inthronisiert, wobei ihn Kaiser Friedrich vor der Kirche empfing, ihm den Stratordienst leistete, ihn zum Altar führte und dort die Füße küsste, was anschließend auch die Aussteller nämlich der Patriarch (Peregrinus von Aquileja) und alle anwesenden Ebf.e, Bf.e (unter ihnen auch Bf. Hermann von Verden), Äbte, Fürsten und sonstigen Anwesenden taten. Am 12. Februar wurde über den einstigen Kanzler und nunmehrigen Schismatiker Roland (Alexander IV.) und über dessen Anhänger feierlich bei brennenden Kerzen der Bannfluch ausgesprochen.
Die Aussteller darunter 39 einzeln genannte Bf.e, unter diesen wiederum der Bf. (Hermann) von Verden, bekunden am Schluss, dass sie bei dem Konzil anwesend waren und den Beschlüssen zugestimmt haben, oder durch Gesandte und Briefe ihre Zustimmung bekundet haben, und somit die Wahl Viktors IV. zum Papst anerkennen, und fordern alle Empfänger nachdrücklich auf, Viktor IV. als Papst anzuerkennen. Insgesamt waren 153 Ebf.e und Bf.e sowie zahlreiche einzeln aufgeführte Könige, Herzöge und Grafen anwesend.
Or: –Abschrift RMC Valenciennes, Ms. 442, foL 8Ovff (Recensio amplior) (V).Druck: Bmwn, Appendix, 8. 552ff (nach verlorener Hs., Recensio amplior) (Bri. – Ottonis er Rahewini Cesta Frjdenn L imperatoris, c. 80, ed. Waitz / Simson, £264 (Recensio abbreviata) (GF). – Martene / Durand, Thesaurus 1, Sp. 447ff (nach V) (MD).-. Mansi, Concil. 21, Sp. 1117ff (nach UF). – Mansi, ConciL 21, Sp. 1133ff (nach MD). – MGH LL 2, 8. 125 – 127 (nach V, Br). – Watterich, Ponc Rom. vitae 2, £ 483ff <nach MD). -Behr-Negendank, Urkunden, nr.628 (nach MÜH LL). – M(;H Consc 1, £265 – 270, nr.190 (nach y B~ C~F, mit Nachweis weiterer älterer Drucke).Reg.: iaffe-Liwenfeld, £ 419f (0 nr., nach nr.14428). – Reg. Ebb. Bremen 1, nr: 544 (mit Nachweis älterer Lic). -Wuryt, BischofHermann, £82- 94u. £193f, nr.54 – 61. -Reg.Imp. 1V2.2, nr. 775u. 822 (mit Nachweis der chmnikalischen Überlieferung).Erwähnt: Wurst, Bischof Hermann, £ 91f (mit Nachweis älterer Lit.).(ebda S.:158-159)

Im Anschluss an das Konzil ehrt Friedrich I. Bischof Hermann, und entscheidet den Streit zwischen den Bistümern Verden und Bremen.

1160 Februar o.T., Pavia

Kaiser Friedrich I bekundet gegenüber dem Verdener Dompropst, dem Domdekan, gesamten Verdener Klerus, den Lehensträgern, den Ministerialen und der gesamten familia (des Verdener Dorns), dass vor ihm und den am Hof versammelten, in der Zeugenliste genannten Fürsten der alte Streit zwischen dem Bremer Ebf. Hartirnd dem Verden er Bf. Hermann entschieden sei und daß Ebf. Hartwig aufgrund der Entscheidung auf alle Besitzungen in den Marschen (im Alten Land, heute Stade und Stadt Hamburg), die er der Verdener (Dom-) Kirche abgenommen hatte, verzichtet und ihrem Bf. zurückgegeben hat. Deshalb gibt nunmehr auch Kaiser Friedrich I. diese Besitzungen der Verdener (Dom-) Kirche und dem Verdener Bf. Hermann zurück, dessen große Verdienste um das Reich vor ihm hervorstechen noch täglich zunehmen.
Or.:(bereits vor 1872 verschollen; im 17. Jh. lag offenbar noch eine besiegelte (lt. -Ausf. vor (A}.Abschrift (5LA Hann., tcop. 11125; nr.25; undatiert; Zeugen liste hielt, mit Ausnahme der ersten zwei Namen; 14. ih 1943 verbrannt) (B). – (StA Hann., ((,op. 11 127; undatiert; 17. Jh.; 1943 verbrannt) (C1. – (StA Stade, Grenzakten Bremen/Verden; 17. Jh. 3) (D). – StA Stade, Rep. Sb, Fach 84, nr If ft)L 7r t, (1577-1636; ohne Angaben zur Vorlage, erkennbar nach B, mithin an vollstaindig) (£5ci Venl GQ2, nr: 22 (nach B, deshalb unvolistaindig; datiert ,,um .,~ Jahr 1163 )(VG}. – Grotetend, Streit, 5.43 45 (nach D) (Gr). – GB v Heimbruch 1, nr.2 (Auszug: nur Zeugenliste; datiert ,, 1160 oder 1161 ,~; tiach C)(itßH)  Reinecke, Studien, 5. 180, Anm. 408 (Auszug; nach Gr). – Wumt, Bisdtof Hermann, 5. 94, Atim. 24 u.5171 Anm 11 (Auszüge; nach Gr). – .WGH D FI, nr.310 (nach Abschrtft von B im Wiener DislOotata-Apj)Orat(19 Jh) u Gr). – Hojineister Elbmarschen 2, £ 214f, Anm. 103 (kleiner Auszug; nach den genannten Dmkken)  Schubert Niedersachsen, S.330, Anm. 108 (kleiner Auszug: Teil der Zeit genliste; naclt dem Druck ittMGHD EI).(ebda S.:133)

Im folgenden Jahr wird Hermann stark in den Streit zwischen den beiden konkurrierenden Päpsten Alexander III. und Viktor IV. einbezogen. Er engagiert sich als Anhänger Viktors und wird Hofvikar von Kaiser Friedrich I..

1160 März 24. Anagni
Papst Alexander III. exkommuniziert den Kaiser (Friedrich I.) sowie Oktavian (Gegenpapst Viktor IV.), den Pfalzgrafen Otto (von Wittelsbach) und alle ihre führenden Anhänger (mithin zweifellos auch Bf. Hermann von Verden). Ferner entbindet er jedermann von Eiden, die dem Kaiser geleistet wurden.
Eine von Papst Alexander III. ausgestellte Urk., in der diese Exkommunikation öffentlich verkündet wird, hat sich nicht erhalten. Die Nachricht darüber ist in drei Quellen überliefert.(ebda S.:163)

Erst Ende 1161 findet er Zeit sich wieder um sein eigenes Bistum zu kümmern. Doch bereits im Juni 1162 muss er wieder seine Pflichten als kaiserlicher Hofvikar wahrnehmen, und führt die nächsten Jahre den Vorsitz bei vielen Gerichtsverhandlungen in Modena, Parma, Vincenza oder Gòito.

Bischof Hermann stirbt am 11. August in der nähe Roms.

1167 August 11, (bei Rom)

Hermann, 27. Bf. von Verden und Propst des Stiftes Kaiserswerth, der der (bischöflichen) Kirche zu Verden (hier also dem Verdener Domkapitel) die Zehnten in Rockstedt und Anderlingen (beide Kr. Rotenburg) sowie den Zehnten in Hasselwerder (Stadt Hamburg) übertragen hat, stirbt (in der Nähe von Rom) an einer Seuche. Dieser Seuche, die sich im Heer Kaiser Friedrichs I. rasch ausgebreitet hatte, fallen neben Bf. Hermann von Verden zahlreiche weitere hochrangige Geistliche aus dem Gefolge Kaiser Friedrichs I. zum Opfer und zwar der Kölner Ebf. Rainald (von Dassel), Bf. Daniel von Prag, Bf. Eberhard von Regensburg, Bf. Konrad von Augsburg und Bf. Gottfried II. von Speyer. Die durch Kochen vom Fleisch gelösten Gebeine dieser Geistlichen werden, eingenäht in Schläuche, in die Heimat zurückgebracht und dort beigesetzt. Die Eingeweide werden den Leichen vor dem Kochen entnommen und (an Ort und Stelle) bestattet.
Chronikeintrag: Annales Isingrimi majores, ed. Pertz, S. 315. – Helmoldi C’onira Siavorum 1.11, cap. 106, ei Schmeidler 5. 208; ed. Stoob, S.3~6 u. 3<5& – Vita A lexandri III. auctore Bosone (um 1181), ed. Watterich, Pont. Rom. vitse 2, 5. 408. – Anna/es Palidenses (am 1182), ed. Pertz, 5. 94; ed. Behr-Negendank, Urkunden, nr.654.– Historia Welforum Wein gartensis (um 1208), ed. E. König, £ 72. – Ottonis et Rahewini Gesta Friderjei 1. imperatoris, appendix (um 1209), ed. Waitz / Simson, £349. – Burchardi praepositi Urspergensis Chmnicon (um 1225), XVI, ed. Holder-Egger / Simson, S.48. – Söchsische Weliehmnik (/3. ih.), ed. Weiland, £227.- chm~(ebda S.:172)