Quelle “Hörige zum Schleuderpreis”

Aus der nicht genau datierten, aber sicher 1027/29 ausgestellten Königsurkunde spricht ein Konflikt zwischen moralischer Norm und ökonomischer Praxis: Wie geht man mit seiner unfreien/minderfreien Dienerschaft um? Kann man sie wie Vieh verhandeln? Salomonische Festsetzung des Königs: Verkaufen darf man sie nicht, nur vertauschen, und zwar nur Person gegen Person, nicht Person gegen Güter.

Konrad, von Gottes Gnaden Kaiser der Römer, Mehrer des Reiches, dem Herzog Bernhard (von Sachsen), Grafen Siegfried (von Stade), Markgrafen Bernhard (von der Nordmark) Heil und Gruß. Obgleich wir beständig Sorge tragen müssen, auf das Wohl des ganzen Staates weit und breit zu achten, wissen wir doch wohl, dass wir mehr noch verpflichtet sind, über den Zustand der Kirchen Gottes sorgsam zu wachen. Und weil wir hören, dass Eigenleute der Verdener Kirche (Verden an der Aller) gleich unvernünftigen Tieren für einen Schleuderpreis bisher verkauft worden sind, wundern wir uns nicht nur über jene ruchlose Gewohnheit, sondern wir verwünschen das auch als eine Gott und den Menschen verabscheuungswürdige Sache, besonders da nach dem Kirchenrecht keiner Kirche Besitz oder Eigenleute für irgend etwas anderes ausgewechselt, sondern nur Besitz für Besitz, Eigenleute für Eigenleute – gleich gute oder bessere – ausgetauscht werden dürfen. Daher untersagen wir aus kaiserlicher Machtvollkommenheit, dass ein solcher Brauch, der den Überlieferungen der heiligen Väter widerspricht, dort weiter ausgeübt wird, und befehlen Euch, denen wir die Regierung dieser Lande übertragen haben, unter Hinweis auf Gottes wie unsere Gnade: wo immer Ihr bei Euch oder anderen so verkaufte Eigenleute dieser Kirche findet, sollen sie mit Euerer Hilfe dem Verdener Bischof zurückgegeben werden, und zwar in der Weise, dass der Bischof dem Käufer so viel, wie der für sie gezahlt hat, zurückerstattet und dafür die Eigenleute seiner Kirche erhält. Wenn aber irgend jemand dem nicht gehorchen wollte, so haltet ihn durch Euere richterliche Gewalt dazu an, bis er diesem unseren so gerechten Befehl und Zwang folgt. Wir haben daher befohlen, daß allen zum sichtbaren Zeichen das Siegel mit unserem Bilde angehängt werde.

Nach: Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes im Mittelalter.Ges. u. hg. v. Günther Franz (FSCA 31), Darmstadt 21974, Nr.50, 125 f.Quelle: Die Urkunden Konrads II. Mit Nachträgen zu den UrkundenHeinrichs II. Hg. v. Harry Bresslau unter Mitwirkung von HeinrichWibel und Alfred Hessel (MGH Diplomata regum et imperatorumGermaniae 4), Hannover-Leipzig 1909/Ndr. 1980, Nr 130, 175 f.
Aus: F.-J. Brüggemeier/G. Hoffmann „Menschen im Jahr 1000“
Herder Spektrum 1999.